Wir könnten Cookies verwenden und benötigen ggf. Zugriff auf einige Ihrer Browsereinstellungen. Klicken Sie auf die folgende Schaltfläche, wenn Sie unseren Datenschutzregeln freiwillig und jederzeit widerruflich laut EU Verordnung 2016/679 (DSGVO) zustimmen. Wir speichern bei regulärem Gebrauch unserer Webseite keinerlei ihrer persönlichen Daten und fragen auch keine von Ihnen an.

Details >

    

Die Drei von der BaFin

Ein 13. April im Wirecard-Untersuchungsausschuss
Twitter Facebook Email Print     PDF 
Hören Sie sich diesen Artikel als Audio an
Die Drei von der BaFin

Es war ein frühlingshafter 13. April, sonnig aber noch etwas frostig, als sich im Wirecard Untersuchungsausschuss zum erneuten Male zwei Abteilungsleiter der deutschen Bankenaufsicht und der ehemalige Chef der BaFin die Ehre gaben. Nachträglich gab es noch so einige Sachverhalte zu klären, die die Mitglieder des Untersuchungsausschusses nach dem letzten Auftreten von Raimund Röseler, Elisabeth Roegele und Felix Hufeld zu untersuchen hatten, auch durch etliche Emails und schriftliche Dokumente, die man zwischenzeitlich erhielt.

Die Vernehmung des BaFin-Trios wurde eröffnet durch Raimund Röseler, der bei der BaFin speziell für die Wirecard Bank zuständig gewesen ist. Röseler wirkte matt, ermüdet, sichtlich vereinnahmt von einer gewissen Last, die sicherlich auf seinen Schultern zu liegen begonnen hat - oder waren es nur die eiskalten Temperaturen ? Sein Anwalt zu seiner Seite hielt sich zumeist zurück, dessen periodisches Schmunzeln schien eher aufgesetzt, als dass es wirkliches Wissen verriet.

Wann begann es Ihnen unheimlich zu werden bei Wirecard, fragte ein Untersuchungsausschuss-Mitglied an, worauf Röseler antwortete spätestens Anfang 2019 nach den Berichten der Financial Times, die man also doch nicht nur so nebenbei überflogen, sondern schon ziemlich früh ernst genommen hat bei der BaFin. Wenn die Finanzaspekte bei Wirecard also schon früh suspekt erschienen, warum wurde dann nicht entsprechend gehandelt, war die Folgefrage, der Röseler damit antwortete, dass man ja gehandelt habe, wobei man allerdings durchaus Fehler machte, sowohl in der Art und Weise der Handlungen, als auch im zeitlichen Aspekt. Man verlasse sich aber halt auf die Bilanzen der Finanzprüfer, die man aufnehme und per se als korrekt ansehe. Er habe sich manchmal einfach mehr Mut gewünscht bei Mitarbeitern in der BaFin, was die Frage aufwirft, wer oder was für eine offenbar auch dort im Überfluss vorhandene, behördliche deutsche Angstkultur eigentlich verantwortlich gewesen ist. Röseler schien alles in allem durchaus reflektiert und um allgemeine Schadensbegrenzung bemüht. Er gab zu, dass er „nicht immer über die volle Wahrheit informiert worden ist” innerhalb der BaFin und weiter, dass „die Dinge einfach auch Mal durcheinander geraten sind”.

Soviel Selbstreflektion konnte man bei der zweiten BaFin Zeugin nicht einmal annähernd beobachten. Chefdirektorin Elisabeth Roegele wies bei ihrem Auftritt jegliche Zweifel an der Unfehlbarkeit und Fehlerfreiheit der BaFin und insbesondere auch ihren eigenen Handlungen von sich wie ein Regentropfen an einer frisch imprägnierten Allwetterjacke. Ob sie diese und jene Email kenne, wo sie z.B. um 6 Uhr morgens am Tag der Verkündigung des Leerverkaufsverbots einen Mitarbeiter der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) informierte, dass heute so richtig was abgeht ? Völlig normal, sie sei eh ganz früh im Büro. Alles cool, das sei total in Ordnung, dass die BaFin andere informiere und sich mit diesen austausche. Ob sie irgendwie vielleicht euphorisch gewesen sei und in überschwänglicher Freude über den Erfolg des von ihr beworbenen Projekts eines Leerverkaufverbotes vielleicht völlig übersehen habe, die ganze Sache nochmal einen Tag lang zu überdenken ? Weder ja noch nein, Roegele holt verbal groß aus, erzählt von diesem und jenem.

BaFins Elisabeth Roegele

Als ein Untersuchungsausschuss-Mitglied danach logische Schlussfolgerung aus Ihren eigenen Angaben zu ziehen beginnt, meldet sich ihr Anwalt, der neben ihr platziert ist. Er habe nun endgültig genug davon, dass seine Mandantin hier mit lauter persönlichen Ansichten und subjektiven Meinungen konfrontiert werde. Als Antwort erhält er eine weitere logische Schlussfolgerung aus Frau Roegeles Darlegungen von einem der Ausschuss-Mitgliedern, worauf der Anwalt nun lauthals im Saal herumbrüllt, um seine ganz eigene rechtsanwaltschaftliche Ansicht, Zitat: „Logik ist Meinung !”, fast bis nach München hörbar herauszuposaunen.

Auch die Räuberpistole der dubiosen Darlegungen eines ehemals wegen Drogendelikten Verurteilten an die Münchner Strafverfolger sei „von einer der hochangesehensten Staatsanwaltschaften Deutschlands verkündet worden”. Da könne sie nichts machen und die Räuberpistole wäre ja ihrer Ansicht nach umgekehrt damals sehr viel konspirativer gewesen, hätte man wirklich daran gezweifelt, dass die Berichte der Financial Times wegen vorherigem (!) Insiderwissen angefertigt wurden. Flutsch, Frau Roegeles Allwetterjacke sieht aus, als wäre sie just von einem Wandertrip aus der Sahara direkt in den Europasaal des Deutschen Bundestages hinein materialisiert worden.

Der schwergewichtige und ehemalige, sechsjährige Chef der BaFin Felix Hufeld komplettierte das Trio dann auch noch zu einer ganz wortgewaltigen Aufsichtsermahnung an diesen und jenen Wirecard Untersuchungsauschuss-Aufseher. Er sitzt wie ein Koloss in seinem Stuhl, wohlgenährt und wohlartikuliert, er war der Aufseher der Banken Deutschlands und wenn er entscheide dass man Wirecard als Finanzholding anzusehen habe, müsse man seiner Entscheidung natürlich folgen, egal was man bei der AG darüber denkt. Na endlich, hofft man. Aber dann führt er nach etlichen Darlegungen, was er so alles tut und tat, welche Email er kannte und nicht kannte, wie er in die USA reiste und wie wenig Einfluss

Felix Hufeld

er vielleicht ja deshalb auf BaFin Arbeitsebenen unter ihm habe auf, dass er sich etliche Male mit Wirecards Aufsichtsratsvorsitzenden Thomas Eichelmann „abgestimmt habe bezüglich des strittigen Themas Finanzholding”, weil auch er ja kooperativ vorgehe und gewiss keine Wirecard Anwalts-Armada gegen ihn haben wolle. Was Eichelmann dann laut am 13. April 2021 im Europasaal vorgelesenen Emails dazu nutzte, um ganz ungeniert damit zu werben, dass man die BaFin mit auf dem Kapitänsdeck der Aschheim-Titanic habe. So sei es halt, meinte Hufeld, aber er sei genügend distanziert von Eichelmann.

Er gab noch einige interessante Hinweise, was er in Zukunft an möglichen Jobperspektiven habe, sofern ihn sein ehemaliger Arbeitgeber EZB das tun lies und verabschiedete sich mit einem Gesamtbild, das ihn durchaus als zigarrerauchenden Genießer und Gewinner der ganzen Wirecard-Angelegenheit im Europasaal dastehen ließ. Ab ins letzte Rettungsboot der Aschheim-Titanic und steuerbordseitig heimlich abhieven lassen durch Olaf Scholz im Finanzministerium. Vielleicht eine zeitlang nach Amerika gehen wie Karl-Theodor zu Guttenberg ?

Das Trio offenbarte neben etlichen Defiziten und Diskrepanzen in sehr viel interessanterer Weise übergeordnete Defekte, die man unter dem Sammelbegriff Management-Kultur zusammenfassen könnte und die insbesondere mit Deutschland in Verbindung zu bringen sind. Während die angloamerikanische Geschäftswelt in allen positiven und auch ausgesprochen negativen Formen Individuen hervorbringt, die die Fähigkeiten haben, ihre Ideen, Vorstellungen und besonders ihre strategischen Geschäftsentscheidungen bis in die letzten Winkel eines Unternehmens zu tragen, produzierten deutsche Universitäten und Management-Schulen in der Vergangenheit zumeist Individuen, die primär nach Kompromiss suchen und auf Kooperation setzten. Das Ergebnis ist eine eng verflochtene, supranationale Parallelwelt in Deutschland und Europa, in der Vorstände und Top-Management-Ebenen mit erlesenen Politikern kooperationsbedürftig exklusiv untereinander klüngeln. Dieses Verhalten ermöglicht nicht nur mächtige Karrieresprünge und Vorteile für die Vorhaben des eigenen Unternehmens, sondern ebenso Delegation und bis zu einem gewissen Grade auch Absicherung bei katastrophalen Management-Fehlern.

Das BaFin-Trio vom 13. April 2021 im Europasaal demonstrierte dies in dramatischer und geradezu theatralischer Weise. Hier der durchaus besorgte und gestresste Abteilungsleiter, den niemand wirklich anhören wollte, dort die selbstreflektionslose Macherin, die sich um BaFins Umwelt mehr zu interessieren schien als um wirkliche Finanzkontrolle, hier der Kapitän, der natürlich Dinge macht, aber nicht machen muss, „im Zwischenraum von politischem Auftrag und rechtlichen Vorgaben”, so Hufeld, „gibt es schließlich Millionen Möglichkeiten”.

Für die nähere Zukunft scheint nun so langsam auch die Frage nach den strafrechtlichen Belangen aufzukommen. Auch hier wäre man fast dazu geneigt, Marsalek dankbar zu sein für das, was durch sein Verhalten in Deutschland und weltweit aufgedeckt worden ist. Der 13. April hat schließlich gezeigt, dass das organisationale Ganze von Behörden und Unternehmen durch unintelligente Software, Email-Inboxen und schnellen Meetings fast gänzlich ersetzt worden ist, in denen individuelle Eigen- und Abartigkeiten der Angestellten die zunehmend dominierende Stellung einnehmen. Das dramatische Ergebnis ist das, was Psychologen als kognitive Dissonanz bezeichnen: eine in sich abgeschlossene Realität des Einzelnen, die wie in einer Echo-Kammer verstärkt wird und die im krassem Widerspruch zur wirklichen Realität von außen steht; gegen die das Unbewusste vorgeht, um sie auszugrenzen:

hab ja in der FT [Financial Times] gelesen dass du ganz ein schlimmer bist 🙂 ... habe übrigens 3x wirecard aktien gekauft letzte woche, macht diese zeitung fertig!! 🙂
(Deutsche Bank Aufsichtrat Alexander Schütz im Email Austausch mit Wirecard CEO Markus Braun vom 17. Februar 2019)


Ironischer Weise würden so irgendwelche Geldbußen oder gar Bewährungsstrafen am eigentlichen Kern der Ursache vorbeigehen. Man sollte wirklich ernsthaft darüber nachdenken, z.B. den ehemaligen BaFin Chef Hufeld dazu zu verpflichten, für eine zeitlang lediglich 2. Klasse zu fliegen und mit der Bahn zu fahren und Herrn Eichelmann eine Gruppe Harz-IV Empfänger über Basiswissen des Aktienhandels persönlich und vor Ort 2 Jahre lang zu unterrichten. Einem Karl-Theodor zu Guttenberg sollte man vielleicht ein halbes Jahr verbieten, anderweitig als persönlich bei Netto und Aldi seine Lebensmittel für ihn und die ganze Familie zu besorgen.

Vielleicht wäre Deutschland und der Welt damit mehr geholfen.








 
von Martin D., akkreditierter und unabhängiger, investigativer Journalist aus Europa, der derzeit an einem Buch über die Wandlung der Massenmedien in agendahafte politische Akteure schreibt.
Schreibe einen Kommentar:



Senden

Email Twitter Facebook Print


Für vertrauliche Infos und Hinweise: Kontaktieren Sie uns bitte unter news@sun24.news mit ihrer verschlüsselten Nachricht durch unseren PGP-Schlüssel (Hilfsmittel hier).







Artikel bewerten
    
Danke !
oder schreibe einen Kommentar
Senden