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Ein Blitzkrieg im Südosten
Über den deutschen Bürgerkrieg und den Ursprung des Wortes Blitzkrieg
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Ein Blitzkrieg im Südosten

Der Begriff Blitzkrieg wurde vor allem von Journalisten im Zusammenhang mit dem brutalen und plötzlichen Überfall Nazi-Deutschlands auf Polen im Jahr 1939 verwendet. Eher wenige wissen wohl, dass das Wort jedoch bereits 4 Jahre davor in einer deutschen Militärzeitschrift namens Deutsche Wehr erwähnt worden ist. Autor von Schwichow schrieb in der Ausgabe vom Mai 1935 einen kurzen Aufsatz mit Ausführungen zur Ernährung und Lebensmittelversorgung. Er argumentierte unter Anderem, dass ein plötzlicher und schneller Angriff feindlicher Streitkräfte auf Deutschland - nicht etwa umgekehrt - den er als einer der ersten überhaupt schriftlich mit dem Begriff Blitzkrieg betitelte, zu einer verheerenden Ernährungslage in Deutschland führen könne.

Etwa 90 Jahre später, in den ersten Wochen des Jahres 2024, ist wohl eine Art Blitzkrieg gegen zwei politisch widerspenstige und aufmüpfige deutsche Bundesländer im Südosten, Thüringen und Sachsen, geführt worden. Erste Anzeichen für einen kommenden Blitzschlag gab es bereits Ende November 2023, als der ehemalige Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, der Münchner Kardinal Reinhard Marx, offen erklärte, dass jedes Mitglied der sogenannten populistischen Partei AfD, die vor allem in den beiden südostdeutschen Bundesländern Thüringen und Sachsen massiv an Stimmen gewinnt, "in der katholischen Kirche nicht wirklich akzeptiert werden" könne. Andere religiöse Anführer erklärten zügig ähnliches.

Der religiös inspirierte Blitzkrieg entflammte einige Wochen später, als ein nicht gänzlich unbekannter AfD-Politiker namens Björn Höcke aus Thüringen im Januar 2024, etwas nach den Weihnachtsferien, eine Rede in seinem Heimatbezirk in der Stadt Gera hielt. Höckes AfD wählte die örtliche 'Volkshalle' für dessen Vortrag. Der spartanisch eingerichtete Saal war voll mit zumeist älteren, konservativen Wählern, einer Mischung aus Menschen mit extremen Kurzhaarschnitten und Hoffnung auf einen Systemwechsel - die Atmosphäre erinnerte durchaus an Schwarz-Weiß-Filme von Mitte der 1920er Jahre. Draußen auf der anderen Straßenseite schrien und brüllten derweil linksgerichtete Demonstranten, die von der Polizei toleriert kleine Hakenkreuz-Symbole auf ihren vielen Nazis-In-Den-Mülleimer-Transparenten präsentieren durften. Dort gab es eher eine Mischung aus regenbogenfarbenen langen Haaren und feministisch-aggressiven oder gepierct-jugendlichen Augen, die meist unter schwarzen Hoodies vergraben waren.


Demonstranten vor Thüringer AfD-Treffen am 18. Januar 2024

In der Geraer Volkshalle stellt Höcke seiner Rede einen Kurzfilm über ein nahe gelegenes Migrantenzentrum voran. Nachdem er unter stehenden Ovationen den Saal betreten hat, begrüßt er zunächst Reporterteams aus der Schweiz und Japan - von je weiter her sie stammen, desto aufgeregter ist die Menge über deren Anwesenheit, ohne zu wissen, worüber die Reporter später eigentlich genau berichten werden. Höcke distanziert sich klar von jeglicher nationalsozialistischen Agenda und kritisiert ebenso deutlich die Demonstranten auf der anderen Straßenseite, die ihn und seine Anhänger mit den Nazis oder deren politischen Ansichten vergleichen. Als er erwähnt, dass für den unwahrscheinlichen Fall, dass er jemals Bundeskanzler wird, sein erster Besuch Wladimir Putin in Moskau gelte anstatt zuerst die USA zu besuchen, jubelt die Menge. Er eruiert ausführlich über das Versagen der derzeitigen politischen Klasse in Deutschland und Europa, zitiert einige tatsächlich bösartige Verfolgungen gegen seine Person und kommt deshalb zu dem nicht gänzlich unberechtigten Schluss, dass Deutschland seiner Meinung nach keine wirklich echte Demokratie mehr sei.


AfD-Politiker Björn Höcke in Gera, Thüringen am 18. Januar 2024

Die vielen Mainstream-Journalisten fangen sichtbar an zu schmunzeln und beschliessen wohl schon jetzt, genau diesen Satz aus Höckes laufender Rede herauszuschneiden, um ihn sofort an ihre Chefredakteure in Berlin, Bern und auf den Bahamas weiterzuleiten. Derweil wirft Höcke immer größere rote Tücher für verärgerte Mainstream-Medien und politische Beobachterbullen aus, indem er sich über "die politischen Kartellparteien" in Deutschland auslässt. Er erwähnt mehrmals den Begriff Deep State, spricht auf persönlicher Ebene über Victoria Nuland und erklärt, warum die Ukraine eines der korruptesten Länder ist, das vom DC-Establishment und letztlich BlackRock regiert wird. Die Verpflichtung eines jedes Deutschen Bürgers, jedes Jahr insgesamt Hunderte von Millionen an Steuergeldern an staatstreue Medien zu zahlen, solle aufgegeben werden; er wünscht wirklich unabhängigen Journalisten alles Gute für deren Zukunft. Wissentlich oder unwissentlich steht Björn Höcke damit höchstwahrscheinlich auf der gleichen transatlantischen Liste für sanfte Exekutionen wie Wikileaks-Gründer Julian Assange. Als ob das nicht genug wäre, erklärt er, dass sobald er und seine AfD an der Macht sind, er dafür sorgen wird, Deutschland aus der EU zu katapultieren und möglicherweise auch aus der NATO austreten zu lassen. Er teilt mit, dass er ein Gesetz einführen würde, damit Eltern eines jeden neugeborenen Babys in Thüringen über mehrere Jahre hinweg insgesamt 20.000 Euro erhielten. Für ihn gibt es zwei Geschlechter, Männer und Frauen.

Von einem wirklich neutralen politischen Standpunkt aus betrachtet gab es in Höckes Rede nichts wirklich extrem-gefährlich Rechtsradikales, und schon gar nichts Historisch-National-Sozialistisches. Viel wichtiger als seine eruptiven Ausbrüche war die Gruppendynamik der Menge. Sie stampften bei jedem Kernsatz mit den Füßen, klatschten bei Höckes Rhetorik Beifall und buhten die Mainstream-Presse lautstark aus, als diese Höcke nach seiner Rede mit verschiedenen Fragen konfrontierte, zum Beispiel warum er "einen Besuch beim Kriegstreiber Putin überhaupt in Erwägung ziehen" würde.

Auch der Zeitpunkt von Höckes Rede ist nicht gerade günstig. Exakt während seiner Darlegungen in der Geraer Volkshalle, die übrigens auch von der lokalen kommunistischen Partei für Zusammenkünfte und Kundgebungen genutzt wird, treffen sich die Globalisten der Welt im schweizerischen Davos, um deren Agenda für 2024 zu diskutieren. Unternehmenslenker kündigten auch dort an in den Schweizer Alpen, dass die gesamte Region Thüringen plus Sachsen und sogar Gesamt-Deutschland "extrem vorsichtig" sein solle, um nicht wirtschaftlich abgehängt zu werden, sollte die AfD politische Macht übernehmen sollte. Der Vorstandsvorsitzende der Münchner Allianz AG sprach in Davos offen über die bevorstehenden EU-Wahlen Ende 2024 und erklärte, Zitat: "wir müssen sicherstellen, dass die Menschen so wählen, wie wir es wollen (!), und nicht nur ihrer Wut Luft machen".

Wir müssen sicherstellen, dass die Menschen so wählen, wie wir es wollen (!), und nicht nur ihrer Wut Luft machen.

Allianz AG CEO Oliver Bäte in Davos am 16. Januar 2024

Kurz darauf marschierten Hunderttausende von Menschen auf Deutschlands Straßen, um den "Schutz der Demokratie" und die "Ausrottung der Nazis" zu fordern, während sie ein plötzlich und unverzügliches Verbot der populistischen deutschen AfD-Partei verlangten, eine Partei, die seit mehr als zehn Jahren existiert und erst jetzt beginnt, ernsthaft an politischer Macht zu gewinnen. Höcke sollen seine verfassungsmäßig garantierten Staats- und Menschenrechte entzogen werden, so fordern es verschiedene Petitionen, die von Hunderttausenden auf Initiative vieler sehr staatlich-finanzierten Nichtregierungsorganisationen unterzeichnet wurden.

Unterdessen haben Oppositionspolitiker nicht nur in Höckes Heimatbezirk offenbar kein sonderliches Interesse mehr daran, die Polarisierung in Deutschland wirklich nachhaltig zu heilen. Eine Diskrepanz in politischen Ansichten, die sich wahrscheinlich ungefähr dort befindet, wo der spanische Bürgerkrieg vor rund 90 Jahren begann. Die Kommunalpolitikerin Elisabeth Kaiser, gewählte Sozialdemokratin in Björn Höckes Heimatbezirk, weist Gedanken an echte politische Arbeit von sich und weigert sich, mit Höcke in einer wie auch immer gearteten, politischen Debatte zusammenzukommen. "Das haben wir mehrfach versucht, das hat nichts gebracht", teilt sie mit. Auf die Frage, ob sie das Ergebnis solcher Treffen eventuell neu bewerten und vielleicht wenigstens versuchen wolle, mit Höcke in irgendeinen Dialog zu treten, verweist sie auf den hochgradig politisierten Verfassungsschutz in Deutschland, der "die AfD als verfassungswidrig ansehe".


Bundestagsabgeordnete und Sozialdemokratin Elisabeth Kaiser in der Stadt Gera am 27. Januar 2024

Hintergrund war ein Treffen einer Handvoll AfD-Spitzenpolitiker im November 2023 in Berlin-Potsdam. In der Adlon-Villa wurde völlig offen und mitnichten "geheim" diskutiert, wie man Millionen von "illegalen Migranten" dazu bringen könne, in deren Heimatländer zurückzukehren. Es war der deutsche Verfassungsschutz, der die Gespräche in Potsdam abhörte, um einige Zeit später ein paar pikante Sätze der AfD-Gruppe an die NGO-ähnliche Autorenplattform Correctiv weiterzuleiten. Diese bombardierte die Öffentlichkeit mit dem Narrativ und mit der zumindest teilweise gefälschten Nachricht, dass die AfD-Leute angeblich im Geheimen über eine "Deportation" mehr oder weniger aller ausländischen Mitbürger aus Deutschland diskutiert hätten. Wochen später begann man im Autorenumfeld von Correctiv dann vorsichtig zu erklären, dass das Wort 'Deportation' wahrscheinlich ein wenig übertrieben war, und wohl in ziemlicher Eile eher der AfD-Gruppe in den Mund gelegt worden ist.


Durchaus ähnlich wie bei der ursprünglichen Bedeutung des Begriffs Blitzkrieg von 1935, und wohl noch mehr zuvor unter den allierten Siegermächten des ersten Weltkrieges im Zusammenspiel mit dem 1919 ins Exil geflüchteten deutschen Kaiser.










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