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Pilgerweg nach Jerusalem

Pilgerweg nach Jerusalem

Eine kleine Geschichte der Ökumene
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Pilgerweg nach Jerusalem

Es war einmal, vor nicht allzu langer Zeit, ein Pilger auf seinem Weg nach Jerusalem. Er lief viele, viele Wochen mit seinem Rucksack und kam irgendwann in eine öde Landschaft, die er zu durchqueren hatte. Ziemlich in der Mitte der fast einhundert Kilometer langen, völlig verlassenen, wüstenartigen Region legte der Pilger müde seinen Rucksack ab und wollte sich im Schatten einer etwas abseits gelegenen Palme ausruhen.

Als er aber schon fast an der Palme angekommen war, brach der Pilger plötzlich in eine fünf Meter tiefe Grube hinein und fand sich nach seinem Sturz auf dem Boden dieser wieder. Etwas benommen schaute der Pilger nach oben und versuchte, alleine wieder herauszukommen.

Doch die Wände waren sandig, es gab nach oben keinen Halt und so fiel der Pilger immer wieder zurück nach unten auf den Boden der Grube...


Nach einigen Stunden kam ein anderer Pilger des Weges und sah den einsamen Rucksack. Er ging in Richtung der Palme und entdeckte den Pilger in der Grube. „Ich bin Muslim und werde für Dich beten“, rief er in die Grube hinein, richtete seinen Teppich nach Mekka aus, verrichtete seine Gebete und rollte den Teppich danach wieder ein. Darauf rief er dem Pilger in der Grube zu: „Inschallah, Allah wollte es so, dass Du in die Grube fällst. Ich werde weiter für Dich beten“ und ging dann seines Weges.

Kurz darauf kam ein weiterer Pilger des Weges, sah den Rucksack und ging zur Grube. „Ich bin Hindu,“ sagte er, „und das Du dort hineingefallen bist, ist Dein Karma, Dein Schicksal. Du musst es akzeptieren und annehmen. Ich werde für Dich in der nächsten Stadt in einem unserer Tempel beten und Räucherstäbe für Dich entzünden.“ Darauf ging auch er weiter.

Etwas später kam der nächste Pilger. „Ich bin Buddhist“, sprach er in die Grube hinein, „und wie wunderbar, dass Dein Buddha Dich in diese Grube geleitet hat. Hier hast Du die großartige Möglichkeit, in totaler Stille Dein Selbst wahrhaftig zu erkennen, ohne dass Dich jemand stören kann. Du wirst Nirvana erlangen, wenn Du es willst. Ich wünschte, ich wäre schon so weit.“ Er meditierte still vor der Grube und ging danach und ohne ein Wort zu wechseln weiter seines Weges.

Etwas danach kam ein weiterer Pilger entlang des Weges und entdeckte die Grube. „Ich bin Freikirchler“, sagte er, „und das ist ja schlimm, was mit Dir passiert ist. Ich werde sofort für Dich und mit Dir beten, damit wir Dich herausholen können aus der Grube“. Er schmunzelte und holte seine Gitarre hervor, begann sofort, zu seinen tranceartigen Gebeten zu musizieren und sang immer wieder aggressiv in die Grube hinein, dass der Pilger in der Grube jetzt endlich sein Herz für Jesus öffnen solle. Als er nach zwei Stunden müde vom Musizieren und seinem lauten Beten wurde, nahm er einen kurzen Schluck RedBull und spielte dann noch etwas ruhigere Musik für die Sterne am Nachthimmel. Als kurz darauf eine schöne Pilgerin entlang des Weges kam, die ebenfalls Freikirchlerin war, nahm er seine Sachen und folgte ihr nach.


Einige Zeit danach kam eine andere Pilgerin entlang des Weges. „Ich bin eine evangelisch-lutherische Protestantin“, rief sie zornig die Grube hinein, „und dass Du dort hineingefallen ist, hast Du verdient. Du bist ein patriarchaischer Ehemann, der seine Frau und Kinder allein zu Hause gelassen hat, während Du Dich auf dem Pilgerweg amüsierst. Ich werde in das nächste Dorf gehen, Deine Frau benachrichtigen, ihr raten, die Scheidung einzureichen und das alleinige Sorgerecht für die Kinder zu beantragen.“ Bevor sie schimpfend weiterzog, spuckte Sie noch in die Grube und trat mit dem Fuß ein paar Mal heftig gegen den Rucksack des Pilgers.

Wieder etwas später kam eine Gruppe chinesischer Teenager an der Grube vorbei. „Wir gehören zur sogenannten ‚Millennium-Generation' und haben so etwas noch nie gesehen“, sagten sie. Sie kicherten, machten jeder ein Selfie mit ihren Smartphones, stellten jeder das Foto auf Facebook ein, posteten sich diese dann gegenseitig zu, klickten auf den ‚Like’ Knopf und versuchten, per Internet eine Flasche Wasser für den Pilger in der Grube zu bestellen, mussten die Bestellung aber abbrechen, als sie herausfanden, dass FedEx nicht in diese Gegend liefert. Sie gingen dann auf Google Maps, konnten so die Richtung ihres entfernten Reisebusses ausfindig machen, marschierten dorthin, stiegen ein und fuhren weiter.

Wieder etwas später kam ein weiterer Pilger herbei. „Ich bin russisch-orthodoxer Christ“, sagte er, „und kann Dir leider nicht helfen, da dieses Land nicht zu Russland gehört und Du nicht russisch-orthodox getauft worden bist. Aber ich gebe Dir eine kleine Flasche Wodka und werde für Dich beten. Ach ja, da Du Deinen Schlafsack nicht mehr benötigst, hast Du sicher nichts dagegen, wenn ich meinen alten Schlafsack gegen Deinen auswechsle“, sagte er, warf eine kleine Wodkaflasche in die Grube hinunter, tauschte die Schlafsäcke aus und ging danach weiter seines Weges.

Nur kurz danach kam ein griechisch-orthodoxer Christ des Weges. „Das ist ja furchtbar, was mit Dir passiert ist“, sagte er, „ich werde Dir selbstverständlich helfen, werde ins nächste Dorf gehen und mit Hilfe zurückkehren. Aber wie Du weisst, ist es sehr heiss und ich kann wegen der Hitze nur früh Morgens und Abends laufen, es wird also etwas dauern, bis ich wieder zurück sein werde“. Darauf hielt er eine dreistündige Gebetsfeier nach dem alten, orthodoxen Rhythmus ab, übernachtete neben der Grube und ging dann früh am nächsten Morgen langsam weiter.

Danach kam ein weiterer Pilger entlang des Weges. Auch er sah den Rucksack und ging zur Grube. „Ich bin progressiv-liberaler Katholik“, sprach er empört, „und finde es ein schlimmes Vergehen der katholischen Kirche, dass es keine Gruben auch für Homosexuelle und wiederverheiratet Geschiedene gibt“. Er nahm einen Spaten und grub mehrere Löcher, vor denen er die entsprechenden Schilder aufstellte. „Weiterhin werde ich im nächsten Dorf ein Schreiben an Papst Franziskus senden“, sagte er, „und in welchem ich ihn dazu drängen werde, ein offizielles, vatikanisches Schild am Beginn des Pilgerweges nach Jerusalem aufstellen zu lassen mit dem Hinweis, dass dieser Weg explizit auch solchen Menschen zur Verfügung steht“. Danach ging er trotzig seines Weges.

Nicht lange danach kam ein weiterer Pilger zur Grube. „Ich bin Mitglied der katholischen Kurie in Rom“, sagte er. „Du kannst bei mir die Beichte ablegen, mein Sohn“. Er nahm seine Stola, legte sie sich um den Hals und hörte dem Pilger in der Grube ruhig und geduldig bei seiner Beichte zu. Er erteilte ihm die Absolution und den Segen. Darauf nahm er einen Bissen von seinem mitgebrachten Lachsbrot und einen Schluck seines teuren Pellegrino-Wassers zu sich, säuberte sich danach seine feinen, mit Sand beschmutzen Schuhe, wünschte dem Pilger in der Grube fröhlich alles Gute und Gottes reichen Segen und ging dann gut gelaunt seines Weges.

Wenig später kam ein weiterer Pilger, sah den Rucksack und ging zur Grube. „Oh Gott, das ist ja grausam“, erschrak er beim Anblick des Pilgers in der Grube. „Ich bin Jude“, sagte er, fing bitterlich an zu weinen und heulend seinen Kopf immer wieder gegen die Palme zu schlagen. Nach einigen Minuten rief er dem Pilger in der Grube zu: „Ich werde in das nächste Dorf gehen und Hilfe holen. Solltest Du in der Zwischenzeit verhungert und verdurstet sein, werden wir die Grube zusammen mit Deinen sterblichen Überresten zuschütten. Jeder der vorbei kommt, kann dort dann ein kleines Steinchen ablegen. Wir werden Dein Grab einzäunen lassen und es als Teil des Staates Israel deklarieren. Dir wird nachträglich die israelische Staatsbürgerschaft anerkannt werden. Danach werden wir diejenigen ausfindig machen und auf Schadenersatz verklagen, die Dir diese Falle gestellt haben. Der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs sei mit Dir, mein Bruder“. Daraufhin ging er weiter.

Letztlich kam ein großer, schlanker Pilger entlang des Weges. Seine Kleidung war gebraucht, er war anscheinend schon lange unterwegs. Er ging barfuß und hatte nur einen kleinen Rucksack. Sein Gesicht war von Sonne und Wind gezeichnet. Er ging zur Grube und hörte sich ruhig die Erlebnisse des Pilgers an. Danach sprach er: „Mach ein wenig Platz, ich komme herunter zu Dir.“

Er sprang in die Grube hinein, gab dort dem Pilger zunächst etwas von seinem Wasser und Brot und sagte dann zu ihm: „Stell' Dich mit Deinen Füßen auf meine Schultern. Ich werde Dich hochdrücken und mit etwas Schwung solltest Du leicht aus der Grube herauskommen können.“ Der Pilger tat wie besprochen und konnte so endlich aus der Grube gelangen.

Überglücklich bedankte sich der Pilger oben, versicherte seinem Retter unten in der Grube, so schnell wie möglich Hilfe zu holen und fragte nach seinem Namen. Doch sein Retter sagte ihm nur, er solle zügig Hilfe holen.

Der Pilger rannte so schnell er konnte ins nächste Dorf, trank unterwegs immer wieder etwas Wasser aus dem einen oder anderen Kaktus und berichtete den Menschen dort über seine Rettung. Man organisierte einen Jeep und fuhr sogleich mit dem Pilger zurück.

Als sie aber ankamen und in die Grube schauten, stellten sie fest, dass diese leer war...






 
von Martin D., akkreditierter und unabhängiger, investigativer Journalist aus Europa, der derzeit an einem Buch über die Wandlung der Massenmedien in agendahafte politische Akteure schreibt.
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